Kornwestheim, 18. August 2026 – Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Gemeinderat Kornwestheim hat vier konkrete Arbeitsaufträge zur Klimaanpassung vorgelegt. Im Mittelpunkt stehen der Schutz der Bevölkerung vor zunehmender Hitze, mehr Schatten und Grün im Stadtgebiet sowie die Anpassung öffentlicher Gebäude an die Folgen des Klimawandels.
Weitere Informationen zu den Arbeitsaufträge sind in der Rubrik Anträge zu finden.
„Wir stehen zwar vor schwierigen Entscheidungen im Zusammenhang mit dem städtischen Haushalt. Dennoch können und dürfen wir die Augen vor den Folgen des Klimawandels nicht verschließen. Die Hitze haben wir in den vergangenen Wochen und Monaten am eigenen Körper erlebt. Wir alle haben uns nach Abkühlung gesehnt. Die Zahl der Hitzetoten zeigt zugleich die Dramatik der derzeitigen Situation. Deshalb müssen wir dort handeln, wo wir mit konkreten und finanzierbaren Maßnahmen die Menschen in unserer Stadt schützen können.“
Ausgangspunkt der Initiative ist der 2022 beschlossene Klimapass der Stadt Kornwestheim. Die Hitzewellen des Sommers 2026 haben aus Sicht der Grünen deutlich gemacht, dass neben langfristigen Zielen vor allem kurzfristig wirksame Maßnahmen zur Klimaanpassung notwendig sind.
Kühle Räume für besonders heiße Tage
Ein Arbeitsauftrag sieht vor, öffentlich zugängliche „Kühle Räume“ beziehungsweise „Cooling Spaces“ zu schaffen. Viele Gebäude in Kornwestheim verfügen über keine technische Kühlung. Besonders ältere Menschen, Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen, Schwangere sowie Familien mit kleinen Kindern leiden unter länger anhaltender Hitze.
Die Verwaltung soll deshalb prüfen, welche städtischen oder öffentlich zugänglichen Gebäude dafür geeignet sind. Perspektivisch soll ein dezentrales Netz solcher Räume entstehen. Vorgesehen sind einfache Standards wie Sitzgelegenheiten, Barrierefreiheit und kostenloses Trinkwasser. Bereits für kommende Hitzeperioden soll möglichst ein erster Pilotraum zur Verfügung stehen.
Mehr Bäume und natürliche Verschattung
Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf zusätzlichen Baumpflanzungen. Bäume spenden Schatten, kühlen durch Verdunstung und verbessern gleichzeitig die Aufenthaltsqualität und Biodiversität. Positiv bewertet die Fraktion bereits umgesetzte Maßnahmen wie die Umgestaltung der Hornbergstraße mit Elementen des Schwammstadtprinzips sowie die Baum-Schenk-Aktion.
Nun soll systematisch geprüft werden, wo auf Spielplätzen, Schulhöfen, Kita-Flächen, Sportanlagen, Parkplätzen, Plätzen und Straßenräumen weitere Bäume gepflanzt werden können. Besonders stark versiegelte und wenig beschattete Bereiche sollen Priorität erhalten. Auch Regenwassernutzung und klimaresiliente Baumarten sollen dabei berücksichtigt werden.
Schulen, Kitas und Rathaus hitzeresilient machen
Für Schulen, Kindertageseinrichtungen und das Rathaus schlägt die Fraktion ein DreiStufen-Konzept vor. Viele Gebäude verfügen weder über ausreichenden außenliegenden Sonnenschutz noch über technische Kühlmöglichkeiten.
Kurzfristig sollen besonders belastete Räume ermittelt und beispielsweise mit Ventilatoren ausgestattet werden. Möglichkeiten der Nachtlüftung und kurzfristigen Außenverschattung sollen geprüft werden. Mittelfristig soll der sommerliche Wärmeschutz bei Umbauten und Sanierungen verbindlich berücksichtigt werden. Langfristig sollen dort, wo passive Maßnahmen nicht ausreichen, auch technische Kühlmöglichkeiten vorgesehen werden.
Außengastronomie als zusätzlicher Schattenspender
Auch Außengastronomie und gewerbliche Nutzungen können zur Klimaanpassung beitragen. Sonnenschirme und Markisen verbessern nicht nur die Aufenthaltsqualität, sondern verschatten zugleich versiegelte Flächen – ohne dass der Stadt selbst größere Investitionskosten entstehen.
Die Verwaltung soll deshalb prüfen, wo Außengastronomieflächen oder gewerbliche Nutzungen maßvoll erweitert werden können, wenn dadurch zusätzliche Verschattung entsteht. Barrierefreiheit, Rettungswege, Verkehrssicherheit und die Interessen der Anwohnerschaft sollen dabei selbstverständlich gewahrt bleiben. Die Fraktion betont zugleich, dass solche Maßnahmen die notwendige dauerhafte Begrünung nicht ersetzen.
Klimaanpassung konkret und finanzierbar gestalten
Die vier Arbeitsaufträge verbinden kurzfristige Hilfen mit mittel- und langfristiger Vorsorge. Aus Sicht der Grünen geht es dabei nicht um maximale technische Lösungen, sondern um einen pragmatischen und finanzierbaren Weg.
„Klimaanpassung ist keine abstrakte Zukunftsaufgabe mehr. Sie betrifft den Alltag der Menschen in Kornwestheim. Kühle Räume, mehr Bäume, hitzeresiliente Schulen und Kitas sowie zusätzliche Verschattung im öffentlichen Raum sind konkrete Schritte, die unsere Stadt auch bei steigenden Temperaturen lebenswert halten können.“
Die Verwaltung soll nun geeignete Maßnahmen und Standorte ermitteln, Prioritäten setzen, Kosten darstellen und mögliche Förderprogramme prüfen. Die Ergebnisse sollen anschließend dem Gemeinderat als Grundlage für die weitere Umsetzung vorgelegt werden.
Thomas Ulmer
18.08.2026